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Erneuerbare Energien USA

Die Klimapolitik der USA galt lange als antiquiert: Eine Führungsriege aus Ölmännern um den Präsidenten George W. Bush sorgte für eine Privilegierung der alten Energieträger Öl, Kohle und Gas. Mit der Weigerung, das Kyoto-Protokoll zu unterzeichnen, manövrierte Washington sich ins klimapolitische Abseits.
Doch in der amerikanischen Energiepolitik gibt es nicht nur Schatten, wie der Berliner Politikwissenschaftler Christian Schossig in seinem Buch über „Erneuerbare Energien in den US-Bundesstaaten“ zeigt.

Denn: Im föderalen System der USA geht der Politikwechsel meistens von den einzelnen Staaten aus und erreicht erst dann die gesamtstaatliche Ebene – neue Energiepolitik wird also nicht in Washington gemacht, sondern vor allem auf den unteren Ebenen, und vor allem in Sacramento und Austin: Die beiden Weststaaten Kalifornien und Texas haben sich als Pioniere in der Förderung erneuerbarer Energien profiliert, und damit die USA zum Windland Nr. 1 auf der Welt gemacht.

In Kalifornien hat sich der – von den Europäern zunächst misstrauisch beäugte – Gouverneur Arnold Schwarzenegger zum „CO2-Terminator“ entwickelt, und die US-weit fortschrittlichsten Pläne zur CO2-Reduktion und zum Ausbau der Solarenergie vorgelegt, während man in Washington noch den Klimawandel leugnete und das Wort „Photovoltaik“ zu schwierig zum Aussprechen schien. In Texas, ausgerechnet diesem Ölstaat, hat sich binnen kurzer Zeit eine Windindustrie entwickelt, die inzwischen nennenswerte Teile zur Stromversorgung beiträgt und immer noch im ungebrochenen Wachstum begriffen ist.

In seinem Buch erklärt Schossig auch für die energiepolitisch noch weniger bewanderten Leser verständlich, welche politischen Instrumente zur Förderung der Erneuerbaren Energien die beiden Staaten anwenden, und wie viel Erfolg damit bereits realisiert werden konnte.

Das Buch bietet eine Fülle an Informationen, die nüchtern und sachlich die aktuellen Entwicklungen beschreiben und analysieren. Was leider fehlt, sind Argumente, warum gerade in diesen Staaten – und nicht irgendwo anders in den USA – sich diese Politiken herausbilden konnten. Dennoch ist die Arbeit absolut lesenswert, bietet sie doch einen Vorgeschmack auf die Energiepolitik unter Obamas neuem Energieminister Steven Chu, der schon hat durchblicken lassen, was er für seine Amtszeit plant: Eine „Kalifornisierung“ der US-Energiepolitik.

Christian Schossig: Erneuerbare Energien in den US-Bundesstaaten. Eine vergleichende Fallstudie der Förderpolitiken von Kalifornien und Texas. ibidem-Verlag, Stuttgart 2008, 128 S., € 24,90

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